Was ist ERP und welche Funktion erfüllt es?

ERP (Enterprise-Resource-Planning) ist der Begriff für ein Softwarepaket, das Unternehmen dabei hilft, ihre Aufgaben und Prozesse erfolgreich zu verwalten. Die frühen Vorläufer der heutigen ERP-Systeme waren Softwarelösungen zur Steuerung der Produktion und des Bestandsmanagements. Bei einer ERP-Software handelt es sich nicht um eine lose Ansammlung einzelner Programme. Vielmehr sind die einzelnen Softwarebestandteile, auch als Module bezeichnet, aufeinander abgestimmt. Sie teilen sich eine gemeinsame Datenbank und können somit auf gleiche Daten zugreifen. Dadurch ist ein bruchfreier Austausch an Informationen möglich; die Entscheidungsqualität und -geschwindigkeit werden auf diese Weise verbessert. So kann die Software auf Daten in der Buchhaltung oder im Controlling gleichzeitig zugreifen oder Datensätze aus dem Verkauf können nahtlos in die Buchhaltung zu Abrechnungszwecken eingespeist werden. Das erspart viel Zeit und aufwendige Fehlerbehebungen im Nachhinein.

Auch die Entscheidungen auf Managementebene werden durch ein ERP-System deutlich verbessert. Informationen aus verschiedenen Bereichen können zusammengeführt und präsentiert werden. Manager erhalten dadurch eine einheitliche Sicht auf Ihren Verantwortungsbereich oder auf das ganze Unternehmen. Einige bekannte Anbieter von ERP-Systemen sind Oracle, Microsoft und SAP.

In der Praxis ist das Wuchern von Einzellösungen verbunden mit einer mangelnden Übersicht und damit einhergehende Verlangsamung der Arbeitsprozesse, oft ein deutliches Anzeichen dafür, dass die Zeit reif ist, sich nach einer professionellen ERP-Lösung umzuschauen.

Ein klassisches ERP-System wird nach dem Erwerb einer Lizenz auf den Servern des Unternehmens installiert. Oft bekommen die Verantwortlichen dabei auch den Zugang zum Quellcode. Dadurch lassen sich zahlreiche tiefgreifende Individualisierungen vornehmen. Das Individualisierungspotenzial sowie die Hoheit über die eigenen Daten gehören zu den stärksten Argumenten, die zugunsten von konventionell betriebener ERP-Software (On-Premise) angeführt werden.

Seit einigen Jahren ist jedoch ein neuer ungebrochener Trend zu beobachten: ERP-Software aus der Cloud gewinnt immer mehr an Boden. Führende Marktforschungsinstitute wie Gartner oder Forrester sagen dieser Art von Softwarebereitstellung ein starkes Wachstum in den kommenden Jahren voraus. Auch in der Praxis, Umfragen zufolge, geben Unternehmen immer mehr ihre Bedenken, etwa auf Datensicherheit bezogen, auf und entscheiden sich für diese Lösungsform.

Was ist Cloud-Computing?

Cloud-Computing bedeutet in der Regel, dass Software oder Services wie Rechenleistung und Speichervolumen übers Internet von einem spezialisierten Drittanbieter angeboten werden. Dadurch ist keine Installation der Software auf den Rechnern vor Ort erforderlich. Der Vorteil dabei: Der Bedarf an eigener Software und physischen Geräten wie Servern und Netzwerkkomponenten entfällt. Darüber hinaus muss kein spezialisiertes IT-Personal vorgehalten werden. Die Dienste können ausserdem schnell und flexibel bereitgestellt werden.

Cloud-Dienste sind grundsätzlich in drei unterschiedlichen Varianten möglich, die im Leistungsumfang aufeinander aufbauen:

  • Infrastructure-as-a-Service (IaaS) – hier wird die Infrastruktur, wie etwa Speichervolumen und Server, vom Anbieter auf Mietbasis bereitgestellt. Nutzer können dadurch z. B. auf den Servern Webseiten hosten oder zeitnah auf zusätzliches Speichervolumen zugreifen, falls die Ressourcen zu knapp werden.
  • Platform-as-a-Service (PaaS) – ist umfangreicher als IaaS. Der Fokus hierbei ist, die Umgebung für Softwareentwickler möglichst optimal zu gestalten. Es werden Server, Datenbanken, Netzwerkdienste und Speicherplätze verfügbar gemacht, die flexibel gemietet werden können.
  • Software-as-a-Service (SaaS) – hierbei handelt es sich um eine anwendungsorientierte Version, die für unmittelbare Benutzer gedacht ist. Es geht dabei um fertige Software, die von Nutzern übers Internet bedarfsabhängig und flexibel, ähnlich einem Abonnement, gebucht und eingesetzt werden kann. Die Software ist über einen Internet-Browser oder eine mobile App zugänglich.


ERP und Cloud-Services

Auch im Bereich der ERP-Systeme spielen Cloud-Lösungen mittlerweile eine wichtige Rolle und sind aus keiner Diskussion mehr wegzudenken. Das gilt nicht nur für Grossunternehmen, sondern auch für KMUs. Viele Anbieter von ERP-Systemen haben sich seit kurzem auf dem Markt mit entsprechenden Angeboten positioniert. Dadurch hat die Verbreitung Cloud-gehosteter ERP-Software in den letzten Jahren stark zugenommen. SAP z. B. bietet mit SAP Business ByDesign und SAP S/4HANA Cloud gleich mehrere Versionen von ERP-Lösungen, auf Unternehmen unterschiedlicher Grössen zugeschnitten, die in der Cloud gehostet werden.

Unterschiedliche Hosting-Formen von Cloud- & ERP-Lösungen

Grundsätzlich kann man das Hosting von Cloud-Software im Allgemeinen und Cloud-ERP-Lösungen im Besonderen in zwei Bereiche unterteilen: die Private Cloud und die Public Cloud. Darüber hinaus gibt es Lösungen, die beide Ansätze kombinieren.

Die Private Cloud

Bei der Private Cloud bleibt das System auf den Servern des Unternehmens oder es wird im Rechenzentrum eines Drittanbieters gehostet, der das notwendige Speichervolumen und die Infrastruktur auf Mietbasis bereitstellt. Dabei handelt es sich um eine Single-User-Lösung, die exklusiv für das Unternehmen eingerichtet wird. Das Unternehmen kann so abgeschottet in der Internet-Wolke arbeiten. Vorteile der Private Cloud sind: Geringere Investitionen in Hardware, verbesserte Mobilität, erhöhte Sicherheit und der Wegfall des Bedarfs die Server und damit verbundene IT-Prozesse zu managen.

Bei einer Private Cloud muss der Nutzer sich jedoch meistens um die Installation der Software sowie Wartung und Upgrades kümmern. Auch sind Private Clouds begrenzt skalierbar, weil es für Einzelnutzer in der Regel einerseits unwirtschaftlich ist, grössere redundante Kapazitäten vorzuhalten; andererseits können überschüssige Ressourcen nicht ohne Weiteres kostensparend und zeitnah abgegeben werden. Dadurch entstehen höhere Kosten im Vergleich zu anderen Arten des Cloud-Hostings bzw. das Einsparungspotenzial gegenüber von lokalen Installationen fällt entsprechend geringer aus. Viele Unternehmen entscheiden sich trotzdem für diese Option, z. B. weil sie die benötigten Ressourcen bereits vorhalten, grossen Wert auf individualisierte Lösungen legen oder die vollständige Datenkontrolle behalten möchten.

Die Public Cloud

Im Falle einer Public Cloud wird die zugrunde liegende Infrastruktur sowie die ganze Soft- und Hardware vom Cloud-Betreiber verwaltet. Man teilt sich in der Public Cloud die Netzwerkgeräte sowie die Soft- und Hardware mit anderen Nutzern. Die Public Cloud enthält viele Vorteile der Private Cloud. Die zusätzlichen Eigenschaften, die sie jedoch so populär gemacht haben, sind die flexible Zubuchung und Abbestellung der benötigten Services auf Abonnenten-Basis und der Wegfall des Aufwands für Wartung und Upgrades, der vom Cloud-Anbieter übernommen wird. Ausserdem bestehen bei der Skalierbarkeit, durch die Zugriffsoption auf nahezu alle freistehenden Ressourcen, sehr grosse Spielräume. Man könnte die Verteilung der Ressourcen in der Public Cloud im Ansatz mit der Ressourcenverteilung in einer Wohngemeinschaft vergleichen: Es gibt einen kleineren Kernwohnbereich, den jeder Mitbewohner exklusiv für sich beanspruchen kann. Der grösste Teil der Wohnfläche ist jedoch für die gemeinsame Nutzung gedacht. So können die genutzten Wohnflächen und Haushaltsgeräte viel besser ausgelastet werden. Für jeden WG-Bewohner ergeben sich dadurch sowohl deutliche Kosteneinsparungen als auch grössere potenzielle Raumflächen, die im Bedarfsfall genutzt werden können. Im Unterschied zu einer WG sind die Daten in der Public Cloud jedoch für andere User unsichtbar und vor deren Zugriff geschützt. Auch ist es in der Regel für einen Public-Cloud-Betreiber möglich, viel grössere überschüssige Rechen- und Speicherkapazitäten wirtschaftlich vorzuhalten. Bekannte Beispiele für eine Public Cloud sind Microsoft Azure und Amazon AWS.

Die hybride Cloud

Bei der dritten Option handelt es sich um sogenannte hybride Cloud-Ansätze. Hierbei werden Lösungen On-Premise oder aus der Private Cloud mit Public Cloud-Lösungen zusammen genutzt. Diese Option bietet sich an, wenn ein Unternehmen die Flexibilität der Cloud-Services in Anspruch nehmen möchte, ein Umstieg von ERP-Bestandssystemen auf eine Cloud-basierte Lösung jedoch unwirtschaftlich ist bzw. gesetzlichen Einschränkungen unterliegt.

Mithilfe von hybriden Lösungen lassen sich neue innovative Anwendungsservices aus der Public Cloud auswählen, zubuchen und parallel zu den laufenden Altsystemen nutzen. So können Unternehmen auch trotz alter On-Premise-ERP-Software, neue innovative Services ungehindert in Anspruch nehmen.

Ein weiteres Anwendungsszenario: Bei plötzlicher Zunahme der Ressourcen-Anforderungen bei lokalen ERP-Systemen, lassen sich die zusätzlich benötigten Ressourcen zeitnah aus der Public Cloud beschaffen.

Ein Thema für sich ist die Integration von On-Premise-Software mit Cloud-Lösungen. Weil die fehlende Interoperabilität hierbei oft Schwierigkeiten bereitet, versuchen ERP- und andere Anbieter diesem Problem, mit verschiedenen Lösungen Abhilfe zu verschaffen. Eine beliebte Option besteht darin, Bestands- und Cloud-Systeme mithilfe spezieller Anwendungsschnittstellen – den APIs – zu verbinden

ERP & Cloud: Sicherheitsaspekte und Datenschutz

Beim Thema Sicherheit ist es wichtig, die Debatte von Anfang an, in die richtige Perspektive zu rücken. Der Vergleich sollte in der Praxis weniger mit einer perfekten Lösung erfolgen, sondern viel mehr mit der individuellen Ausgangssituation eines Unternehmens. Hier ist die Lage oft so, dass die Ressourcen vieler mittelständischer Unternehmen ein viel geringeres Sicherheitsniveau zulassen als ein guter Cloud-Betreiber es bieten kann. Die Software ist oft nicht auf dem neuesten Stand, wichtige Patches und Updates werden verpasst, Arbeitsprozesse sind nicht genügend standardisiert und haben zu wenig Transparenz. Grundsätzlich gehören Cloud-Services für einen Cloud-Anbieter zum Kerngeschäft. Er verfügt deswegen über viel grössere Ressourcen und kann ein deutlich höheres Mass an Professionalität aufbringen, als die allermeisten Unternehmen es in der Lage sind. Dadurch eignet er sich prinzipiell auch als jemand, der für ein bestmögliches Mass an Datensicherheit und -schutz sorgen kann.

Datensicherheit: die Cloud und die mittelalterliche Burg

Ein öfter vorgebrachtes Argument gegen die Sicherheit von Cloud-Computing, besagt, dass Public-Cloud-Anbieter gerade wegen grosser Datenmengen und der guten öffentlichen Sichtbarkeit ein beliebtes Ziel für Hacker werden könnten. Vielleicht wäre es jedoch passender, ein gut umgesetztes Cloud-Computing-Konzept eher mit der Funktion einer Burg im Mittelalter zu vergleichen. Auch wenn die Burg zumeist gut sichtbar war und keine perfekte Sicherheit bot, war sie doch relativ stark befestigt und für Angreifer viel schwieriger zu erkämpfen als die meisten Siedlungen im Umland. So mancher Angriff blieb gerade deswegen aus, weil eine Burg durch ihre starke Befestigung ein Signal der Abschreckung an potenzielle Angreifer sendete.

Sicherheitsniveau: Kriterien bei der Cloud-Provider Auswahl

Wenn es trotzdem Schwierigkeiten in Bezug auf Datensicherheit und -schutz gibt, liegt es meistens mehr an bestimmten Anbietern bzw. an deren Umfeld, als am grundsätzlichen Cloud-Konzept. Eine Vorgehensweise um einen guten Cloud-Dienstleister in Sachen Datensicherheit und -schutz zu finden wäre, neben entsprechenden Gütesiegel und Zertifizierungen, auch auf die wirtschaftliche Situation und das Umfeld der Anbieter zu achten. So geraten Cloud-Provider, die im sehr harten Wettbewerb mit geringen Margen agieren, schnell in Versuchung, Versprechungen zu machen, die sie anschliessend wegen Mangel an Ressourcen oft nicht einhalten können. Auf der anderen Seite des Spektrums sind Unternehmen, die in ihren Märkten einen Fast-Monopolstatus geniessen: Sie verfügen zwar über die notwendigen Ressourcen, aber oft nicht über genügend Motivation, den Sicherheitsanliegen der Kunden gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Am besten schneiden hier heimische und internationale Unternehmen ab, die sich im gesunden Wettbewerb befinden und überdurchschnittlich gute Gewinne erzielen. Diese Cloud-Dienstleister haben im Ernstfall neben finanziellen Verlusten meistens auch um ihren Ruf zu bangen und verfügen gleichzeitig über die notwendigen finanziellen Mittel, um wichtige Sicherheitsvorhaben adäquat umzusetzen.

Neben den angerissenen fundamentalen Fragen, sollte man auch technische Lösungen, die die Datensicherheit und den Datenschutz verbessern, mit einbeziehen. So gewinnt das Konzept des Edge Computings im Zusammenhang mit Cloud-Lösungen immer mehr an Bedeutung. Hierbei wird ein Teil der Daten nicht in die Cloud gesendet, sondern im Unternehmen verarbeitet. Weitere Punkte, um einen Grundschutz zu gewährleisten, sind eine sichere Datenübertragung mittels eines Virtual Private Network (VPN) und eine Firewall, die die Ausbreitung von Schadsoftware verhindert.

Kosteneinsparungen: On-Premise vs. Public Cloud

Bei der Diskussion der Kosteneinsparungen im Zusammenhang mit Cloud-Computing werden zumeist nur die sichtbarsten Aspekte thematisiert. Dabei lohnt es sich, dieses Thema genauer unter die Lupe zu nehmen, weil eine ausführlichere Betrachtung das Ergebnis unterm Strich massgeblich beeinflussen könnte.

Bei den am häufigsten angeführten Kosteneinsparungen handelt es sich um:

  • Hardwarekosten
  • Kosten für das IT-Personal
  • Kosten für Backups, Updates und Wartungsarbeiten


Es gibt aber auch Kosten, die beim oberflächlichen Blick nicht gebührend ins Gewicht fallen und den Ausschlag für oder gegen eine Cloud-Lösung geben könnten. Z. B. entstehen bei Servern und anderer Hardware zusätzlich zu den Anschaffungskosten höhere Nebenkosten. Dazu zählen Stromkosten für den Betrieb und die Kühlung. Beim 24/7-Betrieb können sich die Stromkosten bereits bei einem kleineren Server auf mehrere hundert Franken pro Jahr belaufen. Nimmt man dazu noch an, dass Server und andere Hardware durchschnittlich alle 5 Jahre gewechselt werden, kommt neben den wiederholten Anschaffungskosten noch weiterer Aufwand für Installation und Konfiguration hinzu. Ein genauer Vergleich der Softwarekosten On-Premise vs. Public Cloud lohnt sich also auf jeden Fall.

Darüber hinaus wird in der Praxis meistens aus Gründen der unsicheren Planung, für Notfälle oder aufgrund von starren Standardprodukten mehr in Hard- und Software investiert als es notwendig wäre. Weil man sich mithilfe von Cloud-Computing die notwendigen Ressourcen relativ schnell und flexibel beschaffen kann, verlieren diese Faktoren deutlich an Bedeutung.

Nachteile der Public Cloud

Grössere Verlagerungen von Ressourcen in die Cloud sollten gut überlegt werden, weil sie den zukünftigen Unternehmenserfolg stark beeinflussen werden. Dazu gehört insbesondere, dass mögliche Nachteile ausführlich berücksichtigt werden. Das kann zur Folge haben, dass es in einigen Fällen sinnvoll erscheinen wird, den Gang in die Cloud aufzuschieben. In anderen Fällen wird man möglicherweise zum Ergebnis kommen, dass manche in der Öffentlichkeit stark thematisierten Nachteile für die eigene Unternehmenssituation gar nicht oder nur bedingt zutreffend sind. Alternativ könnten die Nachteile vielleicht auch durch eine hybride Lösung oder einen anderen Ansatz abgemildert werden. Im Folgenden werden einige Argumente, die gegen das Cloud-Computing vorgebracht werden, diskutiert.

Unzureichende Flexibilität und individuelle Anpassbarkeit

Bei einem Wechsel zu einer Cloud-Lösung müssen lokale Arbeitsprozesse entsprechend angepasst werden. In vielen Fällen wird dadurch ein Mass an Individualisierung eingebüsst. Auf der anderen Seite – zumindest in einigen Fällen – kann eine Ausrichtung der Arbeitsprozesse an standardisierte Cloud-Lösungen auch zum Anlass genommen werden, eigene Prozesse zu verschlanken. Ausserdem sind Unternehmen, die ohnehin auf hoch standardisierte Prozesse setzen, relativ wenig davon betroffen. Darüber hinaus bauen Cloud-Dienstleister die Breite und Tiefe ihrer Angebote kontinuierlich aus.

Vendor-Lock-in

Eine andere Frage, die es zu berücksichtigen gibt, ist die Wahrscheinlichkeit für einen sogenannten Vendor-Lock-in. Hierbei geht es darum, dass die Cloud-Dienstleister Kunden einen Wechsel erschweren möchten, indem sie mit proprietären Softwarelösungen, Standards und Protokollen arbeiten. In einigen Fällen mag diese Befürchtung durchaus realistisch sein. Auf der anderen Seite liesse sich aber auch argumentieren, dass ein zunehmender Wettbewerb unter den Cloud-Anbietern diesem Bestreben Grenzen setzen würde.

Sicherheitsaspekte

Sicherheitsaspekten kommt eine sehr wichtige Rolle zu. Deswegen wurde diese Thematik in einem eigens dafür vorgesehenen Kapitel 4 diskutiert.

Automatische Updates

Im Falle automatischer Upgrades und Updates kann man zurecht die Tatsache bemängeln, dass sich dadurch die gewohnten Funktionen und Konfigurationen plötzlich ändern könnten. Auf diese Weise steigt der Einarbeitungs- und Schulungsaufwand bzw., in extremeren Fällen, lassen sich einige Funktionalitäten nicht oder nur eingeschränkt weiternutzen. Als Abhilfe bieten hier einige Cloud-Dienstleister jedoch auch Möglichkeiten, die Installation unkritischer Updates individuell zu konfigurieren; dadurch können sie zu späteren Zeitpunkten installiert oder ganz ausgelassen werden. Darüber hinaus werden Updates bei cloudbasierter Software meistens im Hintergrund und in Häppchen installiert. Das hat den Vorteil, dass die Nutzer sich in kleinen Schritten mit den Neuerungen vertraut machen können. Im Vergleich dazu finden die Upgrades und -dates bei On-Premise-ERP-Software aus Kostengründen oft in längeren Zeitabständen und im grösseren Umfang statt, dafür ist der Lern- und Einarbeitungsaufwand dann umso höher. Bedingt durch diese längeren Zeitabstände zwischen den Upgrades, stehen jedoch im Vergleich zu Cloud-Lösungen bei On-Premise Systemen Prozess- oder Lösungsinnovationen erst zu einem viel späteren Zeitpunkt zur Verfügung, wodurch ein Innovations-Gap und eine schnelle Überalterung der Lösung eintreten kann.

Probleme bei Schnittstellenanbindungen und Integration

Ein weiteres oft diskutiertes Problem ist die schlechte Portabilität und Interoperabilität zwischen On-Premise Daten bzw. Anwendungen und deren Gegenstücken in der Cloud. Dieses Thema wird im Kapitel 9 näher behandelt.

Problematische Verfügbarkeit

Oft wird auch die Zuverlässigkeit der Cloud-Services bemängelt. Viele Cloud-Dienstleister geben jedoch eine Uptime-Garantie von 99,99% an. Bei einem 24/7-Betrieb würde das einer Ausfallzeit von durchschnittlich weniger als 5 Minuten im Monat entsprechen. Selbst wenn man hier vorsichtshalber mit etwas geringeren Werten rechnet, dürfte die Uptime im Durchschnitt immer noch deutlich höher sein als die meisten lokalen ITs es gewährleisten könnten. Darüber hinaus können auch Technologien wie das Edge-Computing und eine Ersatz-Internetverbindung für mehr Zuverlässigkeit sorgen.

Vorteile der Public Cloud

Cloud-Anbieter von Software und Speicher-Services können wegen ihrer Spezialisierung und den damit verbunden Grössenvorteilen neue Technologien in besserer Qualität günstiger zur Verfügung stellen als nicht-spezialisierte Unternehmen. Daraus ergibt sich eine Reihe von Vorteilen; einige davon werden im Folgenden näher beleuchtet.

Anschluss an Innovation

Durch das Software-as-a-Service Model lassen sich viele innovative Dienstleistungen nutzen. Die meisten Cloud-Dienstleister befinden sich im regen Wettbewerb und sind deswegen bemüht, immer mehr neue Services in kürzeren Zeitabständen auf den Markt zu bringen. Kunden kommen dadurch in den Genuss, die neuste Software in Anspruch nehmen zu können. Dadurch lassen sich z. B. Programme, die maschinelles Lernen verwenden, gewinnbringend im Geschäftsalltag einsetzen.

Mobiles Arbeiten

Das Arbeiten von unterwegs oder vom Home-Office aus wird mittels eines Cloud-Systems problemlos möglich. So kann z. B. ein Mitarbeiter während eines Gesprächs beim Kunden zeitnah prüfen, ob eine bestimmte Ware oder ein bestimmtes Ersatzteil auf Lager ist bzw. wie lange die voraussichtliche Lieferzeit für die Teile beträgt. Auch Mitarbeiter, die im Ausland in stark abweichenden Zeitzonen stationiert sind, können ohne grosse Schwierigkeiten auf die benötigten Daten mit der passenden Software zugreifen.

Datensicherheit und -schutz

Den Themen Datensicherheit und -schutz kommt im Zusammenhang mit Cloud-Computing eine besondere Aufmerksamkeit zu. Der Gang in die Cloud ist sicherlich nicht für jedes Unternehmen und nicht zu jedem Zeitpunkt angebracht. Doch kann eine Auslagerung der Daten und Workflows in die virtuelle Rechenwolke die Themen Datensicherheit und -schutz in vielen Fällen gegenüber dem Ist-Zustand vor Ort verbessern. Der Cloud-Dienstleister sorgt dafür, dass Updates und Patches regelmässig eingespielt werden. Es kann eine aktuelle Kopie der kritischen Daten in der Cloud durch ein Backup vorgehalten werden. Darüber hinaus lassen sich die Zugangsrechte der einzelnen Mitarbeiter bei Bedarf standardisiert staffeln, damit nur die  zuständigen Mitarbeiter auf die Daten zugreifen können. Weitere Aspekte zum Thema werden im Kapitel 4 diskutiert.

Grössere Flexibilität

Die benötigten Leistungen lassen sich durch Cloud-Services bedarfsabhängig zubuchen und wieder abbestellen, bezahlt wird nach effektiver Nutzung (pay-per-use). Fernerhin, wenn der Bedarf an Rechenkapazitäten oder Datenspeicher kurzfristig ansteigt, können die Ressourcen zeitnah aus der Internet-Wolke beschafft werden. Unternehmen nutzen Cloud-ERP-Software zunehmend auch als Teil ihrer hybriden Strategie. Dabei werden bei der Planung und Beschaffung von On-Premise-ERP-Ressourcen die Kapazitäten und die Funktionalität von externen Cloud-Angeboten bewusst miteinbezogen.

Höhere Verfügbarkeit

Viele Cloud-Service-Anbieter garantieren heute eine verfügbare Betriebszeit von 99,99%. Auch wenn sich dadurch beim 24/7-Betrieb pro Jahr eine Ausfallzeit von weniger als einer Stunde ergibt, ist es sinnvoller, die Werte in der Praxis etwas konservativer anzusetzen. Doch selbst bei weniger günstigen Werten dürfte die Verfügbarkeit der meisten Cloud-Services noch deutlich höher sein als viele lokalen IT-Abteilungen es gewährleisten könnten.

Expansion und Internationalisierung

Ganz besonders interessant können cloudbasierte ERP-Systeme für Unternehmen sein, die Filialen oder Töchter haben bzw. vor einem entsprechenden Erwerb oder einer Gründung stehen. Das umfangreiche ERP-System der Mutter eignet sich hier häufig nur bedingt für die Tochtergesellschaften. Sie brauchen oft eine abgespeckte Grundversion und spezifische Zusatzfunktionen. In diesem Fall lohnt es sich, einen sogenannten 2-Tier-Ansatz in Betracht zu ziehen. Bei diesem Ansatz bekommen die Niederlassungen oder Töchter eine passende ERP-Software aus der Cloud, die anschliessend relativ schnell und unkompliziert an das On-Premise-ERP-System der Muttergesellschaft angebunden werden kann.

Kosteneinsparungen

Zu den wichtigsten Einsparungen, die durch ein ERP-System aus der Cloud realisiert werden können, gehören Hard- und Softwarekosten, Wartungs- und Upgrade-Kosten sowie Kosten für IT-Personal.

Wegen der grossen Bedeutung wird das Thema ausführlicher im Kapitel 5 behandelt.

Faktencheck On-Premise vs. Public Cloud

Cloud-ERP & Skalierbarkeit

Im Vergleich zu lokal gehosteten ERP-Systemen, lässt sich eine Lösung aus einer Public Cloud hervorragend skalieren. Skalierbarkeit heisst hier, dass grössere Ressourcen im Bedarfsfall schnell und unkompliziert beansprucht und später wieder freigegeben werden können. Dabei wird auch keine zusätzliche Hard- und Software vor Ort benötigt.

Zur besseren Übersicht über die Vorteile der Skalierbarkeit von ERP-Lösungen aus der Public Cloud, könnte man das Leistungsspektrum grob in drei Kategorien unterteilen. Die erste Kategorie behandelt Ressourcen, die vorübergehend – wie etwa bei Lastspitzen – benötigt werden. In der zweiten Kategorie geht es um Services, die das stetige, organische Wachstum eines Unternehmens bestmöglich unterstützen können. Bei der dritten Kategorie handelt es um Cloud-Lösungen, die externe Unternehmensaktivitäten betreffen.

Einen ausführlichen Artikel zu Cloud-ERP & Skalierbarkeit finden Sie hier.

1. Beschaffung kurzfristiger Ressourcen

In diesem Fall braucht ein Unternehmen oft nur vorübergehende Unterstützung, wenn bestimmte Lastspitzen – etwa durch saisonale Nachfrageschwankungen auftreten. Alternativ eignet sich diese Option auch wenn bestehende integrierte Hauptlösungen durch Funktionalität ergänzt und durch innovative Features auf den neusten Stand gebracht werden sollen. Dazu würde z. B. Software für Reisekostenabrechnungen aus der Cloud zählen, die das HR-Modul vor Ort ergänzt. Viele dieser Dienstleistungen können nach einem pay-per-use-Model abgerechnet werden.

2. Organisches Unternehmenswachstum

Hier sind die Bedürfnisse langfristiger ausgelegt und betreffen das natürliche Unternehmenswachstum. Es geht dabei um Software- und Modullösungen, die Prozesse rund um bestehende Unternehmensleistungen erweitern oder das Angebot neuer Produkte und Dienstleistungen ermöglichen. Im Falle von Startups kann es sich beispielsweise um ein komplettes ERP-System aus der Public Cloud handeln. Reifere Unternehmen entscheiden sich öfter, einzelne Softwarelösungen oder Module aus der Cloud zu beziehen, die an bestehende lokale ERP-Systeme angebunden werden können. Ob ein komplettes ERP-System oder einzelne Softwarelösungen – die Inbetriebnahme der Software aus der Rechenwolke ist zumeist unbürokratisch und dauert oft nur wenige Tage oder gar nur Stunden.

3. M&A und Zusammenarbeit zwischen Partnern

Die grössten Spielräume, um das Potenzial für die Unternehmensentwicklung und Kosteneinsparungen auszuschöpfen, bieten sich durch den Einsatz von ERP-Software bei Vorhaben ausserhalb des Unternehmens. Hierbei kann es sich um Zukäufe von Unternehmen im In- und Ausland handeln, die mit eigenständigen ERP-Systemen oder einzelnen Softwarekomponenten ausgestattet und an die Muttergesellschaft angeschlossen werden sollen. Alternativ können cloudbasierte Softwarelösungen, die Zusammenarbeit im Rahmen von Partnerschaften zwischen verschiedenen Unternehmen unterstützen.

Es sind dabei in der Regel wesentlich weniger Hürden zu überwinden, als im Falle von traditionellen On-Premise-ERP-Systemen. Vor allem ist es möglich, eine komplette ERP-Lösung oder einzelne Module innerhalb von Tagen oder sogar Stunden zu implementieren und gleichzeitig einen reibungsloseren Datenaustausch mit der lokalen Software zu erreichen. Auch viele der benötigten länder- bzw. fachspezifischen Features und AddOns können durch die Cloud-ERP-Version bereitgestellt werden.

Cloud-Computing: Interoperabilität & Portabilität

Wegen der Tragweite der Themen Interoperabilität, Kompatibilität und Portabilität kommt ihnen neben Datensicherheit und -schutz die grösste Bedeutung zu. Weil eine mangelnde Zusammenarbeit unterschiedlicher Softwarekomponenten den Betriebsablauf erheblich stören kann, müssen mögliche Probleme frühzeitig berücksichtigt werden. Portabilität bzw. Interoperabilität bedeutet, dass Daten und Anwendungen auf unterschiedlichen Systemen problemlos – zumindest aber ohne grösseren Änderungsbedarf – verarbeitet und genutzt werden können. Die SAP Cloud Platform erfüllt die Rolle einer solchen Brückeninstanz.

Agilität durch Phasen der Unternehmensentwicklung 

Wird dieses Thema vernachlässigt, kann die Fähigkeit des Unternehmens schnell und agil zu handeln, gefährdet sein. Das ist heute umso wichtiger, weil sich die Anforderungen des Marktes und die damit einhergehende Ausrichtung der Geschäftsmodelle schneller den je verändern. Dabei kann der Bedarf unterschiedlich sein: Jüngere Unternehmen entscheiden sich oft zunächst für eine flexible und schlanke Cloudlösung, weil ihre Bedürfnisse noch überschaubarer sind und einfachere Ansätze kostensparendes Manövrieren begünstigen. In späteren Phasen der Unternehmensentwicklung, wenn das Geschäft komplexer wird und die finanzielle Lage sich positiv entwickelt, wächst das Interesse an hochwertiger Software mit mehr Funktionalität. Hier rücken dann Themen wie die Anbindung von Cloud-Software anderer Anbieter oder ein Wechsel der Cloud-Provider oft in den Fokus.

Ein anderes Szenario, wo es auf ein problemloses Zusammenspiel zwischen On-Premise- und Cloud-Software ankommt: Eine Anwendung läuft auf den hauseigenen Servern und soll beim Erreichen eines bestimmten Auslastungsgrades von einer Cloud-Anwendung zeitnah unterstützt werden. Hier ist es für die reibungslose Zusammenarbeit sehr wichtig, dass der Datenaustausch und die Softwarebestandteile einwandfrei funktionieren.

Man sollte auch damit rechnen, dass die einmal in die Cloud verschobenen Daten und Anwendungen unter Umständen wieder auf die Unternehmensserver zurückverlagert werden müssen. Diese Situation kann dann eintreten, wenn ein Cloud-Dienstleister bestimmte Funktionalitäten streicht oder das im Service Level Agreement (SLA) festgelegte Qualitätsniveau dauerhaft nicht erfüllt.

Vendor Lock-in bei Platform-as-a-Service-Angeboten

Ein weiterer Fall ist der Vendor-Lock-in, der die Nutzung von Platform-as-a-Service-Angeboten zur Entwicklung und Installation der eigenen Software betrifft. Selbst dann, wenn Open-Source-Software verwendet wird, kann es dennoch zu einem Anbieter-Lock-in seitens des Cloud-Dienstleisters auf der Ebene der Schnittstellen, Serviceangebote und Datenformate kommen. Diesen Umstand sollte man von vornherein in Betracht ziehen und bei Bedarf auf standardisierte Datenformate oder kompatible Serviceangebote von Drittanbietern setzen.

Abhilfe durch APIs und Container-Technologie

Aus technischer Sicht können hier auch Lösungen auf der Grundlage von APIs, die einen Datenaustausch zwischen inkompatiblen Anwendungen und Systemen ermöglichen, Abhilfe verschaffen. Eine weitere Option die Interoperabilität bzw. Portabilität zu verbessern, bietet die Container-Technologie. Sie wurde durch Open-Source-Lösungen wie Docker oder Kubernetes bekannt gemacht. Der ERP-Marktführer SAP hat in diesem Zusammenhang das Open-Source-Projekt unter dem Namen Gardener gestartet, wo man Kubernetes Cluster betreiben kann.

ERP & Cloud: Zusammenfassung und Ausblick

Abschliessend und zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass trotz einiger Hindernisse und Bedenken der Trend zum Cloud-Computing sich wegen der oft überwiegenden Vorteile fortsetzen wird. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige vertiefte Auseinandersetzung mit Cloud-Dienstleistungen im eigenen Unternehmenskontext wichtig, auch um die eigene Wettbewerbsposition zu sichern. Selbst wenn diese Auseinandersetzung in einigen Fällen in einer Entscheidung gegen die Cloud münden sollte, können mögliche Bedenken und Hindernisse in vielen anderen Fällen vermutlich ausgeräumt oder stärker abgemildert werden. Hierbei können hybride bzw. Multi-Cloud-Ansätze oder Technologien wie das Edge Computing hilfreich sein.

Die Entwicklung in Richtung hybrider Cloud-Ansätze wird sich vermutlich auch deswegen fortsetzen, weil die ERP-Systeme der meisten Unternehmen noch mehrheitlich auf On-Premise-Strukturen aufbauen. Hybride Ansätze eigenen sich hier gut, um sich vorsichtig vorzutasten und den Einstieg in die Welt des Cloud-Computings schrittweise zu ermöglichen.

Den Themen Datenschutz und -sicherheit dürfte in nächster Zeit eine deutlich höhere Aufmerksamkeit zukommen. Zum einen, weil Cloud-Dienstleister im Zuge ihrer Geschäftsentwicklung zunehmend auch mehr zurückhaltende Kundengruppen gewinnen möchten. Zum anderen auch wegen der sich verschärfenden gesetzlichen Regulierung wie dem Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

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